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Wie sind Supermarktpreise „Fair und Bio“ eigentlich möglich?


Ich habe heute Morgen die Werbung einer großen Supermarktkette aufgeschlagen und nicht schlecht gestaunt. Dort im Angebot ist ein Kaffee Crema Honduras für sage und schreibe 11,77 €.

100 % Arabica, von Kleinbauern handverlesen, umweltfreundlich und fair. Und das Beste ist, dass pro verkauftem Kilo Kaffee 1 € noch direkt an die Kaffeebauern zurückgeht. Klingt fantastisch.


Doch da habe ich mich gefragt, wie machen die das?


Nehmen wir diesen Kaffeepreis einmal für ein kleines Rechenbeispiel:

Der Kaffeepreis der letzten Jahre war ein auf und ab. Auch Corona machte es nicht leichter für die Kaffeebauern. Und so kann man es halt nie genau sagen, zu welchem Preis der Rohkaffee eingekauft wurde.

Auch gibt es Unterschiede Preise nach Regionen und Sorten. So kostet Robusta weniger als die Hälfte vom Arabica.


ABER bei Fairtrade und Bio ist es anders.


Der Fairtrade-Mindest-Preis für Arabica liegt seit April 2011 fest bei 3,08 US$ (2,57 €). Dazu kommen 0,44 US$ (0,37 €) für Entwicklungs- und Gemeinschaftsausgaben und 0,66 US$ (0,55 €) für die Bio-Zertifizierung. Bei steigendem Weltmarktpreis stiegt der Fairtrade-Mindest-Preis mit, aber er fällt nie darunter.

Gehen wir also einmal davon aus, dass das Kilo Rohkaffees unseres Beispielkaffees mindestens 3,49 € gekostet hat.

Gehen wir weiter davon aus, dass das Naturprodukt auf dem Weg zum Röster weiter trocknet und damit an Gewicht verliert, kommen von 1 Kg seines gekauften Rohkaffees nur etwa 900 g an. Beim Rösten benötigt er 1,2 Kg Rohkaffee für 1 Kg fertigen Kaffee.


Das bedeutet, dass er pro Kilogramm Kaffee etwa 1,33 Kg Rohkaffee kaufen muss.

Damit kostet der Kaffee schon mal etwa 4,65 €.

Deutschland hat eine Kaffeesteuer von 2,19 € pro Kilogramm gerösteten Kaffees.

Draufgerechnet sind das dann schon 6,84 € pro Kilogramm fertigen Röstkaffee.

Da die Kaffeebauern noch 1 € extra bekommen sollen, muss er somit mindestens 7,84 €/Kg kosten.


Also ein Gewinn von 11,19 € (11,77- 5 % MwSt.) - 7,84 € = 3,35 €. Das klingt doch erst einmal klasse und vernünftig. Oder??


Aber Moment mal!?!


Wer schon mal etwas verschickt hat weiß, da muss man für bezahlen. Und verpacken muss man ihn auch noch, sogar mehrfach.

Von diesen 3,35 € werden u. a. also noch folgende Leistungen bezahlt:

Transport- und Lohnkosten:

Der Rohkaffee muss vom Bauern über ein Beneficio (Hier wird der Kaffee getrocknet, eingelagert und zum Schluss in Säcke abgepackt) zum Hafen transportiert werden. Dann kommen Kosten für den Seetransport (Versicherungen, Zoll usw.) dazu.

Im Hamburger Hafen muss die Ladung gelöscht und dann zum Röster transportiert werden.

Der fertige Röstkaffee muss im Anschluss auch noch weiter in die Supermärkte transportiert und verkauft werde.

Das machen alles Menschen gegen Bezahlung.



Produktions- und Werbekosten:


Die Kaffeepflanzen müssen gesetzt und gepflegt werden. Sie tragen nach ca. 5 Jahren die ersten Früchte.

Ernte, waschen und trocknen gehört zu den Arbeiten, bevor eine Kaffeebohne verkauft werden kann.

Aber es gehören ja noch viele weitere Kosten zum Geschäft dazu. Da haben wir Miete, Energie, Tüten und Etiketten, Maschinen (Anschaffung, Wartung, Reparaturen usw.), Nebenkosten (Telefon, duales System, Büroartikel usw.), Werbekosten (Werbung, Homepage, Flyer, Grafik und Design usw.), Versicherungen und einiges mehr.


Und vergessen wir am Ende nicht diverse Steuern!


All dieses wird von den 3,35 € bezahlt. Da kann man sich ja ausrechnen, wie viel Kaffee verkauft werden muss, um diese Kosten zu decken.


Ich hoffe ich habe etwas zum Nachdenken angeregt. Natürlich ganz wertungsfrei.

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